insorgiamo – der Arbeitskampf von ex-GKN For Future (Italien)

Autor: Johannes Steen Paul Pätzold

Angesichts der sich verschärfenden ökologischen und ökonomischen Krisendynamiken des 21. Jahrhunderts rücken jene politischen Praktiken in den Fokus, die die Kämpfe ökologischer und sozialer Bewegungen verbinden. In diesem Kontext lässt sich der Arbeitskampf und die Konversionsplanung der ehemaligen Beschäftigten des GKN-Werks in Campi Bisenzio bei Florenz verorten. Ausgangspunkt war die plötzliche Schließung des Werks durch den britischen Eigentümer Melrose im Jahr 2021, die zur fristlosen Kündigung von rund 500 Beschäftigten führte. Die Arbeiter:innen reagierten mit der Besetzung des Werks und gründeten das basisdemokratische „Collettivo di Fabbrica“. Unter dem Motto #insorgiamo („Erhebt euch!“) entwickelte sich ein international beachteter Arbeitskampf, der nicht nur die Produktionsmittel in die Hände der Beschäftigten zurückführen, sondern auch eine sozial-ökologische Neuausrichtung der Produktion anstreben will.

Im Zentrum der Fallstudie steht die Frage, wie es gelingen kann, Arbeitskämpfe und Klimabewegungen zu vereinen, um eine gerechte und nachhaltige Produktion zu realisieren. Die Zusammenarbeit mit Fridays for Future Italien und einem Netzwerk solidarischer Wissenschaftler:innen (ex-GKN for Future) führte zur Entwicklung eines Konversionsplans, der die Produktion auf Lastenfahrräder und Solarpanels umstellen soll. Basierend auf Expert:inneninterviews, arbeiter:innenzentrierten Untersuchungen sowie einschlägigen theoretischen Ansätzen werden im Spannungsfeld von ökologischer Nachhaltigkeit, basisdemokratischer Organisierung und sozialistischer Transformationsstrategie zentrale Kristallisationspunkte emanzipatorischer Praxis identifiziert. Trotz bestehender struktureller Spannungen – wie der Abhängigkeit von kapitalistischen Märkten und staatlicher Unterstützung – eröffnet das Projekt neue Handlungsspielräume für transformative Politiken. Es demonstriert, dass sozialistische Praxis nicht durch ideologische Abschottung, sondern durch aktive, kollektive Mitgestaltung gesellschaftlicher Prozesse realisiert werden kann. Ex-GKN for Future liefert damit bedeutsame Impulse für die Debatte um sozial-ökologische Konversionen und verweist auf das emanzipatorische Potenzial kollektiver Selbstorganisierung als Triebkraft gesellschaftlichen Wandels.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen