Selbstverständnis
Der Sozialismus […] wird nicht durch irgend einen katastrophalen Bruch mit der Vergangenheit entstehen, wie der klassische Marxismus glaubte, noch durch einen vom Staat geförderten Sozialismus von oben, sondern durch eine molekulare Transformation der Zivilgesellschaft, durch den Aufbau dessen, was Erik O. Wright (2010) reale Utopie nennt – kleinräumige Visionen von Alternativen wie Genossenschaften, Bürgerhaushaltsverfahren und allgemein gesichertes Grundeinkommen, die sich gegen die Markttyrannei auf der einen und die staatliche Regulierung auf der anderen Seite wenden.
Das Netzwerk Emancipation & Socialism (emasoc) möchte dazu beitragen, „die konkreten Utopien auszuarbeiten, die in Keimformen auf der ganzen Welt zu finden sind“ (Burawoy 2015: 160).
Das Netzwerk
- ist ein freiwilliger, selbstorganisierter Arbeitszusammenhang von Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das auch Interessierten außerhalb der Hochschulen offensteht;
- ist aus den Debatten um das Buch „Die Utopie des Sozialismus. Kompass für eine Nachhaltigkeitsrevolution“ (Dörre 2021) entstanden. Wir haben uns gefragt welche Beispiele es für die Erneuerung emanzipatorischer Politik im 21. Jahrhunderts gibt und was wir von ihnen lernen können.
- sucht nach gelebten Utopien und erforscht sie im Sinne eines Critical Engagement (Bezuidenhout u. a. 2022). Wir verlassen den akademischen Elfenbeinturm und befragen Menschen, die sich engagieren. Wir bearbeiten exklusives Wissen von Engagierten mit wissenschaftlichen Methoden. Und wir beabsichtigen, Ansätze emanzipatorischer Politik mit unseren Forschungsergebnissen zu unterstützen.
- hält „den Gedanken einer Alternative zum Kapitalismus am Leben, einer Alternative, die Märkte und Staaten nicht abschafft, sondern sie der kollektiven Selbstorganisation der Gesellschaft unterordnet“ (Burawoy 2015: 161);
- ist ein überparteilicher Zusammenschluss, der davon ausgeht, dass es viele Strategien sozialistischer Handlungsfähigkeit gibt, die nur gemeinsam und im Zusammenspiel grundlegende Veränderungen erreichen können;
- fördert den globalen Dialog auch in lokalen und nationalen Arbeitszusammenhängen;
- versucht, eine neue Balance „zwischen Theorie und Praxis zu erreichen“ (ebd., S. 162). Wir „spüren reale Utopien auf, die die kollektive Fantasie in Schwung bringen, aber wir fragen sie auch in Bezug auf ihre mögliche Verallgemeinerbarkeit“ (Burawoy/Wright 2002).
Interessse geweckt?
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Literatur
Bezuidenhout, A./Mnwana, S./von Holdt, K. (2022): Critical Engagement with Public Sociology: A Perspective from the Global South. Bristol.
Burawoy, M./Wright, E. O. (2002): Sociological Marxism, in: Turner, Jonathan H. (Hg.): Handbook of Sociological Theory. New York, S. 459-486.
Burawoy, M. (2015): Marxismus nach Polanyi, in: ders.: Public Sociology. Öffentliche Soziologie gegen Marktfundamentalismus und globale Ungleichheit, Weinheim, S. 145-164, hier S. 160.
Dörre, K. (2021): Die Utopie des Sozialismus. Kompass für eine Nachhaltigkeitsrevolution. Berlin.
Wright, E. O. (2010): Envisioning Real Utopias. London/New York.
