Autor:innen: Fulko Meyer, Bruno Saar, Clara S. Thompson
Die Autoindustrie ist ein zentraler Schauplatz der sozial-ökologischen Transformation, die in Deutschland bereits tiefgreifende Veränderungen erlebt. Die aktuell prägendste ist der Antriebswandel vom Verbrennermotor zum E-Auto, der allerdings in den Augen vieler Klimaschützer:innen und Wissenschaftler:innen den ökologischen Erfordernissen einer gesellschaftlichen Nachhaltigkeitswende nicht gerecht wird. Aus diesem Grund hat sich 2022 eine klimaaktivistische Gruppe in unmittelbarer Nähe zum Volkswagen-Stammwerk, der größten Autofabrik des Landes, angesiedelt. Ihre, in eigenen Worten, utopischen Ziele waren es, die Vergesellschaftung des Konzerns zu erreichen und Wolfsburg zur „Verkehrswendestadt“ zu machen. Es sollen Busse und Bahnen statt SUVs produziert werden, so die Forderung.
In einer Fallstudie analysieren wir, inwieweit es Ihnen in zwei Jahren aktivistischer Arbeit gelang, das gesellschaftliche „Fenster des Sagbaren“ zu verschieben und die Debatte um eine radikale sozial-ökologische Transformation der Autoindustrie in Wolfsburg zu öffnen – oder ob ihr Protest vielmehr zu einer Verhärtung der Fronten führte.
Die Ergebnisse zeigen, dass in Wolfsburg durchaus ein Transformationsbewusstsein und Offenheit für neue Wege existieren, insbesondere wenn (betriebliche) soziale Sicherheiten gewährleistet bleiben. Gleichzeitig werden die Grenzen des Aktivismus deutlich: Die starke Bindung der Beschäftigten an VW, die geringe Unterstützung durch die IG Metall und die Machtstrukturen des Konzerns erschweren eine breite Allianz für die Verkehrswende. Dennoch konnte die Kampagne lokale Diskurse verschieben und neue Debatten anstoßen – ein erster Schritt hin zu einer sozial-ökologischen Transformation.
