Strukturbasiertes Organizing als Schlüssel zur gewerkschaftlichen Erneuerung

Autorinnen: Selma Kleinau, Ronda Kipka

Sinkende Mitgliederzahlen, fragmentierte Arbeitsbeziehungen und eine zunehmende Schwächung der Tarifbindung: Die Gewerkschaften scheinen in der Defensive festzustecken. Im Projekt untersuchen wir daher das Potenzial strukturbasierten Organizings (SO) als Strategie gewerkschaftlicher und gesellschaftlicher Erneuerung um diese Abwärtsbewegung zu durchbrechen. Dabei wird aufgezeigt, wie durch eine systematische Mobilisierung und Beteiligung der Beschäftigten neue Machtressourcen erschlossen und auch Gewerkschaften selbst demokratisiert und transformiert werden können. Im Zentrum steht dabei der Ansatz der US-amerikanischen Organizerin Jane McAlevey, der auf langfristige Beteiligung, demokratische Praxis und strategischen Machtaufbau setzt. Strukturbasiertes Organizing zielt nicht auf punktuelle Mobilisierung, sondern auf die umfassende Einbindung der Belegschaft entlang bestehender sozialer Strukturen, insbesondere durch die Identifikation sogenannter organischer Führungspersonen. Anhand von Machtstrukturanalysen, Strukturtests und Whole-Worker-Ansätzen werden konkrete Instrumente vorgestellt, mit denen kollektive Handlungsfähigkeit wieder aufgebaut und gesichert werden kann. Der Beitrag diskutiert sowohl das transformative Potenzial dieses Ansatzes für betriebliche Auseinandersetzungen und Tarifkämpfe als auch die Herausforderungen der Übertragbarkeit auf deutsche Gewerkschaftsstrukturen. Die Autorinnen plädieren für eine tiefere Politisierung gewerkschaftlicher Praxis als notwendige Antwort auf soziale Fragmentierung, Ohnmachtserfahrungen und den gesellschaftlichen Rechtsruck – mit dem Ziel, Gewerkschaften als demokratische Orte kollektiver Selbstermächtigung von unten zu revitalisieren.

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