Autorinnen: Nóra Fülöp, Nóra Eörsi
In einer Fallstudie untersuchen wir eine linke Bewegung aus Mittelosteuropa – die ungarische Initiative Szikra („Funke“). Angesichts des für linke Politik schwierigen politischen Kontexts in Ungarn – geprägt einerseits durch das autoritäre Regime Viktor Orbáns und andererseits durch die staatsozialistische Vergangenheit – erscheint es überraschend, dass sich linke Initiativen überhaupt formieren und sogar positive Entwicklungen verzeichnen können. Die Studie untersucht, inwiefern Szikra eine Trägerin einer linken Erneuerung in Ungarn ist. Im Zentrum steht die Frage, wie eine junge linke Initiative in einem von autoritären und neoliberalen Machtblöcken dominierten politischen Umfeld neue emanzipatorische Perspektiven entwickelt und welche Herausforderungen sie dabei bewältigen muss. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus linke Begriffe und Visionen in Ost- und Mittelosteuropa weitgehend diskreditiert wurden. Die Szikra-Bewegung versucht, diese Leerstelle zu füllen, indem sie an internationale linke Diskurse anknüpft und lokale soziale sowie ökologische Probleme adressiert.
Die Untersuchung basiert auf Interviews mit Szikra-Mitgliedern und anderen linken Aktivist:innen. Sie zeigt, dass Szikra trotz widriger Bedingungen eine neue Generation für linke Politik begeistern kann, aber vor der offenen Frage steht, ob und wie sie eine nachhaltige Verankerung in der breiten Gesellschaft und insbesondere in der Arbeiterschaft erreichen kann.
