
WHAT’S LEFT? fragten sich Intellektuelle zu Beginn der 1990er Jahre. Die damals wahrscheinliche Prognose, der Linken drohe ein Marsch in die Bedeutungslosigkeit, wurde in den Folgejahren praktisch widerlegt. Er beginne zu glauben, dass die Linke recht habe, notierte Frank Schirrmacher, die globale Finanz- und Eurokrise vor Augen, Anfang der 2010er Jahre in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Inzwischen hat sich das Blatt erneut gewendet: Die politische Linke befindet sich im freien Fall. Selbst Liberale und Konservative sorgen sich um ihre potenziellen Gegner, denn ohne eine handlungsfähige Linke verlieren auch die eigenen politischen Konturen an Schärfe.
Da die Krise der linken Strömungen eine existentielle ist, müssen Grundfragen neu gestellt werden: Was ist links? Kann es eine Linke für das 21. Jahrhundert geben? Wer ist diese Linke – und was kann sie erreichen?
Mit diesen Fragen befasste sich Klaus Dörre in seiner Abschiedsvorlesung, mit der er seine zwanzigjährige Lehr- und Forschungstätigkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena abschloss. Die zentrale, an Norberto Bobbio angelehnte These lautete: Ohne Mut zur konkreten Utopie kann die Linke nicht links sein, da sie sonst nicht mehr von der Rechten zu unterscheiden wäre. Doch sobald sie Macht ausübt, muss sie erkennen, dass ihr utopisches Projekt nie vollständig realisierbar ist. Gelingt es ihr, diesen Widerspruch produktiv zu bewältigen, kann eine neue Linke für das 21. Jahrhundert entstehen.
Die Vorlesung fand in deutscher Sprache statt und wurde simultan ins Englische übersetzt. Beide Sprachfassungen wurden gestreamt. Die Aufzeichnungen sind unter folgenden Links abrufbar:
– Link zur Videoaufzeichung auf Deutsch (Youtube)
– Link zur Videoaufzeichung auf Englisch (Youtube)
Eine schriftliche ausgearbeitete Fassung der Abschiedsvorlesung finden sie unter dem folgenden Link in Form einer PDF-Datei:
